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Die Ökobilanz und deine Speisenauswahl

Vielen Dank für deine Unterstützung

Wenn du diese Zeilen liest, hast du heute Abend an einer kleinen Umfrage teilgenommen – vielen Dank dafür! Hier findest du anschließend einige Hintergrundinfos:

Melina Wittig, Studentin der Lebensmittelwissenschaften an der Hochschule Niederrhein schreibt aktuell ihre Bachelorarbeit und untersucht den Einfluss von Umweltbilanzen auf die individuelle Speisenauswahl. Sie schaut sich also an, ob und inwiefern die Ökobilanz einen Einfluss darauf hat, welches Gericht auf euren Tellern landet. 

Wir finden das Thema super spannend und unterstützen Melina hier super gern und freuen uns, dass ihr euch die Zeit genommen habt, ihre Fragen zu beantworten. 

Der Studienablauf

Die Umfrage läuft insgesamt zwei Wochen – unsere Speisekarte bleibt in diesen zwei Wochen identisch. Letzte Woche sah die Speisekarte aus wie immer. Diese Woche steht auf der Speisekarte der CO2-Fußabdruck der Hauptgerichte, den Melina durch eigene Messungen und mit Hilfe einer Datenbank berechnet hat. In der Auswertung untersucht sie später, wie das „CO2-Label“ die Auswahl der Hauptgänge und die Reihenfolge der Abwägungen beeinflusst. 

Der CO2-Fußabdruck

Der CO2-Fußabdruck (auch Ökobilanz genannt) gibt an, wie viel CO2-Eq. beispielsweise eine Person, ein Produkt oder ein Prozess verursacht. Die Berechnung des CO2-Fußabdrucks ist ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen den Klimawandel. Klimabeeinflussende Aktivitäten lassen sich darstellen und dadurch Möglichkeiten zur Treibhausgas-Reduzierung ableiten.

Eq. steht für Äquivalent, denn es gibt neben CO2 auch andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas. Diese haben unterschiedlich starken Einfluss auf die Atmosphäre und das Klima. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, werden diese Gase durch bestimmte Kennzahlen zu CO2 äquivalenten Werten umgerechnet.

Die Ökobilanz

Für die Berechnung der CO2-Bilanz hat Melina, zusammen mit unserem Koch Kai, die drei Hauptgerichte zubereitet und alle verwendeten Zutaten, entstandenen Abfälle und den benötigten Gas- und Stromverbrauch gemessen. Die Bilanzen wurden mit dem Programm „Umberto LCA+“ und den Datenbanken „ecoinvent“ und „NAHGAST-Rechner“ erstellt. In der Berechnung sind sämtliche zugehörige Prozesse berücksichtigt (Anbau und Transport der Zutaten, Kochprozesse, Abfallentsorgung, Stromverbrauch etc.) 

Ökobilanzen sollten eher als Vergleichswert oder grobe Einschätzung betrachtet werden, denn je nachdem welche Prozesse einbezogen werden und welche nicht (sog. Systemgrenzen) können die Ergebnisse variieren. Bei der Berechnung unserer Hauptgerichte darf zum Beispiel nicht vergessen werden, dass nicht alle Kochprozesse immer gleich ablaufen oder auch mal die Menge an Biomüll unterschiedlich ausfällt. Es sollte außerdem immer daran gedacht werden, dass andere (uns gleichermaßen wichtige) Faktoren wie soziale Gerechtigkeit oder Vermeidung von Tierleid nicht durch Ökobilanzen dargestellt werden können.

Die Ökobilanz – Unsere veganen Hauptgerichte im Vergleich

Der CO2-Fußabdruck unserer ausgewählten Hauptergerichte fällt wie folgt aus:

  • Lasagne : 1,87 kg CO2-Eq./Portion
  • Mangocurry: 0,83 kg CO2-Eq./Portion
  • Kohlrabi: 0,66 kg CO2-Eq./ Portion

Beim Vergleich der drei Bilanzen fällt auf, dass die Lasagne deutlich schlechter abschneidet als die anderen Gerichte. Das liegt vor allem am vergleichsweise hohen Einsatz von verarbeiteten Produkten wie Nudeln, veganem Hack und Dosentomaten. Beim Curry sind es insbesondere die Zutaten von Übersee wie Tofu oder Kokosmilch. Bei der Mango muss unterschieden werden: kommt die Mango per Schiff, wie in unserem Fall, schneidet sie deutlich besser ab beim Transport mit dem Flugzeug1. Das Kohlrabigemüse hat eine niedrige Bilanz, da hauptsächlich unverarbeitete und regionale Produkte verwendet werden. 

In diesem Diagramm ist zu erkennen, dass der größte Anteil der CO2-Bilanz der Lasagne auf die Zutaten fällt:

Das zeigt uns nochmal deutlich, dass wir mit der Auswahl der Zutaten letztlich einen großen Einfluss auf die Umwelt haben und bietet uns die Möglichkeit bewusst gute Entscheidungen für unsere Speisekarte zu treffen.

Die Ökobilanz – Unsere Lasagne im Vergleich mit ihrer nicht veganen Variante

Im Vergleich zur nicht veganen Variante, schneiden die Zutaten unserer Lasagne aber trotzdem deutlich besser ab:

Rindfleisch hat einen CO2-Wert von durchschnittlich 13,6kg CO2-Eq./kg (Bio höher)2, das vegane Hack aus 3Sonnenblumenprotein ca. 3 kg CO2-Eq./kg. 

Auch der Unterschied beim Käse ist eindeutig:

4Simply V Streukäse: 0,86 kg CO2-Eq./kg gegen 2Käse im Durchschnitt: 5,7kg CO2-Eq./kg.

Insgesamt bedeutet dies:

Vegane Lasagne : 1,87 kg CO2-Eq./Portion vs. Lasagne mit Fleisch und Milchprodukten: 3,65 kg CO2-Eq./Portion

Möchtest du noch mehr zum Thema Ökobilanzen, Klimawandel und Ernährung lesen, schau mal auf diesen Seiten vorbei:

Den eigenen CO2-Fußabdruck berechnen mit dem WWF-Klimarechner:

https://www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/wwf-klimarechner

Mein Essen, die Umwelt und das Klima vom BMUV:

https://www.bmuv.de/jugend/wissen/details/mein-essen-die-umwelt-und-das-klima

 1Ökobilanzen von Obst:

https://www.codecheck.info/news/Dieses-Obst-verursacht-am-wenigsten-CO2-388377

2CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln vom ifeu Institut:

https://www.ifeu.de/fileadmin/uploads/Reinhardt-Gaertner-Wagner-2020-Oekologische-Fu%C3%9Fabdruecke-von-Lebensmitteln-und-Gerichten-in-Deutschland-ifeu-2020.pdf

Programm zur Erstellung von Ökobilanzen:

https://www.ifu.com/de/umberto/oekobilanz-software/

3Veganes Hack aus Sonnenblumenprotein:

https://followfood.de/produktwelt/vegane-gerichte/details/freihack-bio-vegan

Hochschule Niederrhein Fachbereich Oecotrophologie:

https://www.hs-niederrhein.de/oecotrophologie/

4: Codecheck App Simply V Reibegenuss 

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